2011 Juni Teil 10

22. Juni 2011

Ein extremer Tag in 5 Bildern

I) Vorglühen

An der Vorderseite eines herannahenden Tiefdruckgebietes fließen subtropische Luftmassen nach Baden-Württemberg.

Bereits am späten Vormittag liegen unerträglich Bedingungen vor. Bei den Birkhöfen herrscht fast Windstille, und die schwüle Luft ist zum schneiden. Kein Baum, der als sinnvoller Schattenspender in Frage kommt (und sich im Wald zu verkriechen macht ja auch keinen Sinn).

Die zunehmende atmosphärische Labilisierung ist an den Wolkenstrukturen bereits deutlich zu erkennen - die zunehmende Labilisierung meines Kreislaufes nur zu erahnen. Da schmeckt selbst die Ernte23 nicht mehr  ;-)

Der Mühe Lohn: 482 025-4 platziert sich prächtig in der tollen Landschaft.

Nun aber nichts wie nach hause in die kühle Wohnung. Das hält ja keine Sau aus. Für die zweite Tageshälfte sind schwere Unwetter vorhergesagt.

Das glaube ich auf's Wort, denn diese schwülheiße Luft trägt latente Energie in sich wie ein frisch geladener Akku.

Wehe, wenn er kurzgeschlossen...

 

 

II) Nur wo Unwetter draufsteht, ist auch Unwetter drin

Gegen 16:30 Uhr verdunkelt sich der Himmel im Südwesten zusehends auf breiter Front, und der Blick auf das Niederschlagsradar bestätigt die Vermutung: Starkregenband im Anmarsch.

Da ich seit Unzeiten kein Regenbild mehr gemacht habe, bestand nun die Chance zur Realisierung...

...und so wie es aussah, mit Schmackes!

Auf der Fahrt zum Bahnhof Gingen beschleunigt die Frontalzone ihr Tempo zusehends. Hier bei Grünenberg ist schon der Böenkragen im Anmarsch. Beachten sie das zarte Spiel der Farben.

Auch der Landwirt hat offensichtlich keine besondere Motivation zum Verweilen und macht sich buchstäblich vom Acker...

 

 

III) Rainforest

Bereits im Downhill-Abschnitt Richtung Gingen klatschen die ersten dicken Tropfen auf die Windschutzscheibe.

Mist! Ich hätte 5 entscheidende Minuten früher losfahren sollen, und am Bahnhof angekommen, gestalten sich die 10 Meter Fußstrecke zum Unterstand zur echten Herausforderung.

Begleitet von Starkwind und Donnerschlägen dreht der Himmel seinen Sintflut-Generator auf Volllast.

Exakt in dieser Hochphase kämpft sich 146 208-4 durch das aus Westen kommende Gegenwind-Gebläse (erkennbar an den Bäumen am rechten Bildrand) in Richtung Stuttgart. Die geschätzte Relativgeschwindigkeit zur Gischt beträgt folglich etwa 180 km/h...

...und das sieht dann auch entsprechend aus...

 

 

IV) Treibholz

Wie ist das eigentlich... wenn es so stark in die Waggons regnet, dass die Holzstämme im Wasser schwimmen...

...wird der Zug dann leichter?

Wird ihnen bei solchen Gedankengängen auch schwer um's Herz? Aber ernsthaft:

was schätzen sie, um wieviel erhöht sich das Gewicht des Zuges durch die gespeicherten Wassermassen? Eine Tonne? Zehn Tonnen? Zwanzig Tonnen?

Auch wenn das Wasser abfließen kann, ist die benetzbare Oberfläche der Holzstämme enorm. Höchste Zeit für eine grobe Überschlagsrechnung:

20 Waggons mit je 80 Stämmen mit je 7 Meter Länge und 0,5 Meter Durchmesser ergeben eine benetzbare Oberfläche von rund 18.000 Quadratmetern.

Wenn wir vereinfachend annehmen, Benetzung, Speicherung im Holz und Stauwasser ergäben im Mittel eine rund 3 Millimeter hohe Wasserschicht auf den errechneten 18.000 Quadratmetern Oberfläche, dann sammelt unsere Ladung folglich (zeitweise) etwa 54 Kubikmeter Wasser.

1 Liter Wasser entspricht 1 Kubikdezimeter und wiegt 1 Kilogramm. Die errechneten 54 Kubikmeter entsprechen 54.000 Kubikdezimeter...

...folglich wiegt das mitgeschleppte Wasser 54.000 Kilogramm oder 54 Tonnen, unter der Annahme, dass es lange und intensiv genug regnet, um die Oberfläche vollständig zu benetzen.

Hinweis:

selbstverständlich liefern Überschlagsrechnungen keine genauen Ergebnisse. Darauf kommt es aber auch nicht an. Sie sind jedoch eine wertvolle Hilfe, wenn es darum geht, Dimensionen abzuschätzen.

 

 

V) Auf Regen folgt Sonnenschein

Wie so oft behält auch in diesem Fall der (leider häufig unterschätzte) Volksmund recht.

In Blickrichtung Osten schauen wir gegen 20:45 Uhr der abziehenden Störung hinterher. Die Energie der Sonnenstrahlen läßt das Wasser in den feuchten Hängen sofort wieder verdampfen und erzeugt die typischen tiefhängenden Wolkenfetzen.

Aufnahme in Hausen. Die hell angestrahlte Kirche gehört zu Türkheim.

 

 

 

 

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